Konfirmanden gehen dem Tod auf die Spur

Workshop der Konfirmandengruppe von Wichard v. Heyden auf dem Friedhof in Gehrden

„Das Thema Tod ist stets Thema im Konfirmandenunterricht. Im christlichen Glauben spielt das Weiterleben nach dem Tod eine bedeutende Rolle, die wir auf eine besondere Art und Weise angehen wollen", berichtet Pastor Wichard v. Heyden von der Margarethengemeinde Gehrden. So begab er sich mit seiner Konfirmandengruppe auf den Friedhof in Gehrden, um sich unter besonderen Aspekten dem Thema „Leben, Sterben und Tod" zu widmen.

Mit Eintritt in die Kapelle auf dem Friedhof veränderte sich die Atmosphäre bei und zwischen den Jugendlichen. Fragende Gesichter, verlegenes Schweigen und auch ein wenig Beklommenheit mischten sich unter die jungen Menschen.

Bestatter Kai Rohlfes weiß, dass das in unserer heutigen Zeit ein normales Geschehen ist. „Früher war das Thema Krankheit, Sterben und Tod allgegenwärtig“, sagt er. „Es gehörte zum Leben wie selbstverständlich dazu und die Menschen gaben diesen Themen einen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Heute sind es eher Themen am Rande des Alltags. Jeder wurde oder wird mit dem Thema Sterben und Tod im Leben konfrontiert. Aber es wird kaum darüber gesprochen. Durch Aktionen wie heute möchten wir dazu beitragen, Schwellenängste abzubauen und z. B. angstbesetzte Vermutungen durch eigenen Augenschein zu ersetzen“, so Kai Rohlfes weiter.

„Trauer wird nur besser, wenn man auch wirklich trauert“

Nach einer kurzen Begrüßung durch Pastor v. Heyden stellten sich die drei Mitarbeiter vom Bestattungshaus Rohde in Gehrden, Kai Rohlfes, Ramona Böttcher und Martin Reerink vor und man begab sich gemeinsam auf den Friedhof. Hier wurde den Jugendlichen einiges über die vielen Facetten der Begleitung von Trauerfamilien und der Trauerfeier mit Beisetzung erläutert. Zum Beispiel, dass es verschiedene Bestattungsarten gibt, man eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten bei der Grabwahl hat oder die Art der Gestaltung der Grabstellen ganz individuell möglich ist.

„Diese Individualität ist es auch, die wir ganz wichtig finden“, erzählte Kai Rohlfes der Besuchergruppe. „Trauer wird nur besser, wenn man auch wirklich trauert“, ist sich der Bestatter, der sich und seine Kollegen in erster Linie als gute Trauerbegleiter sieht, sicher. „Man kann heute so viel machen und mitgestalten“, fügte er an.

Trauerrituale und eigenes Handeln

Zurück in der Kapelle erzählten die Bestatter davon, dass man bei der Versorgung, dem Zurechtmachen und Einkleiden des Verstorbenen dabei sein kann – wenn man denn möchte. Oder dass man sich nach der Versorgung noch einmal am offenen oder geschlossenen Sarg von seinem Angehörigen verabschieden kann. „Ein gutes und tröstendes Ritual kann zum Beispiel darin bestehen, dem Verstorbenen Dinge auf seine letzte Reise mitzugeben. Das sind oft Briefe, Fotos, gemalte Bilder oder Dinge, die dem Verstorbenen und/oder Angehörigen wichtig waren“, wurde berichtet. Man kann den Sarg oder die Urne selber bemalen oder bei der Dekoration der Kapelle zur Trauerfeier helfen. „Es gibt fast nichts, was nicht möglich ist um seiner Trauer Raum und vor allem Zeit zu geben“, gab Kai Rohlfes den Jugendlichen mit auf den Weg.

Die Bestatter gaben einen Überblick, welche Dinge und Formalitäten alle zu erledigen sind, wenn ein Mensch stirbt und an was alles zu denken ist. Wie die Wege sind, die man dann gehen muss. Immer wieder mit dem Hinweis, dass der Bestatter den Trauerfamilien zwar viel abnehmen kann, man aber auch selbst viele Dinge aktiv begleiten kann und darf.

Das Wissen um die Vergänglichkeit schafft besondere Momente

Die Gruppe teilte sich nun in 2 kleinere Gruppen auf. Eine Gruppe sah sich den Bestattungswagen an und bekam den Bereich in der Kapelle gezeigt, in dem sich der Klimaraum befindet. Im Klimaraum werden die Verstorbenen so lange gekühlt und verwahrt, bis der Tag der Trauerfeier gekommen ist oder die Überführung ins Krematorium erfolgt.

In diesem Bereich der Kapelle stand auch ein Sarg und „einige Mutige“ testeten, wie es sich wohl anfühlt in so einem Sarg zu liegen. „Weich und gar nicht unangenehm“, war eine Antwort. Dieser Moment war besonders, wie die Anwesenden es empfanden. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit, aber auch Spaß tat den jungen Menschen an dieser Stelle des Workshops sichtbar gut.

Die zweite Gruppe blieb in der Kapelle und sah sich verschiedene Urnenmodelle an. Die Jugendlichen dekorierten danach nun eine vermeintliche Trauerfeier an einem Sarg. Dazu suchten sie sich passende Musik aus, die diesen Moment umrahmte. Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, versammelten sich die Jugendlichen vor dem Sarg, stellten sich im Kreis auf und es entstand ein sehr inniger und emotionaler Moment. „Das sind die so besonderen Momente, wenn Menschen sich mit der Vergänglichkeit beschäftigen und eben nicht sofort ‚ausreißen', sondern es zulassen“, meint Bestatter Rohlfes dazu. Und auch Pastor v. Heyden ergänzte: „Wir müssen diese Themen einfach wieder mehr in unsere Mitte holen.“

Konfirmanden-Workshop: Ein voller Erfolg

Nach dem Tausch der Gruppen versammelten sich am Ende noch einmal alle gemeinsam in der Kapelle und die Konfirmanden konnten den Bestattern ihre Fragen stellen. „Was passiert genau im Krematorium?“ oder auch „Was kostet eine Beerdigung überhaupt?“, waren da z. B. die Rückfragen.

Mit einem gemeinsamen Gebet beendete Pastor v. Heyden den Workshop und war sich sicher, dass dieser Abend eine regelmäßige Wiederholung mit den Gehrdener Konfirmanden finden wird. „Wir haben so etwas vorher noch nie gemacht und es gab mit Sicherheit auch ein paar Vorbehalte dazu. Aber der Verlauf unseres Workshops hat uns Recht gegeben. Das war sehr gut so“, war sein Fazit.

„Sterben, Tod und Trauer gehören einfach zu unserem Leben. Wir stehen gerne für Konfirmanden und auch andere Gruppen jeglichen Alters zur Verfügung, um sich mit diesen Themen näher zu beschäftigen“, bietet Bestatter Kai Rohlfes allen Interessierten an. „Unsere Türen stehen jederzeit für ein Gespräch oder eine Terminvereinbarung offen“, so sein Angebot.

Ihr Bestatter

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